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Psychologie macht Wirtschaft

Was als technische Reaktion der Märkte Mitte März begann, könnte der Wendepunkt einer sehr heftigen Börsenbaisse gewesen sein. Kaum jemand hatte den Kursanstieg damals für den Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung gehalten. Mittlerweile sind die Kurse seit den Tiefständen im März um mehr als 40% gestiegen. Und nun hat die Stimmung gedreht: die Mehrheit der Marktteilnehmer glaubt nicht, dass wir nochmals die damaligen Tiefpunkte erreichen werden.

KOF-Konjunkturbarometer-und-ifo-Index

Abb.: Zwei wichtige Konjunkturindikatoren für die Schweiz
und Deutschland. Sowohl das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH (Skala links) als auch der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex (ifo-Institut München, rechts) haben deutlich gewonnen.

Innerhalb weniger Monate hat sich die Stimmung enorm verbessert. Und mit dem Optimismus werden auch die realen Wirtschaftsdaten allmählich besser. Die Angst vor einem kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems, die noch vor einem Jahr herrschte, ist gebannt. Damals verteilten Sparer ihr Geld oft auf mehrere Konten bei verschiedenen Banken oder horteten es gar privat in bar und in Tresorfächern der Finanzinstitute.

Langsam kehrt das Vertrauen wieder zurück. Falls dieser März die Wende brachte, so begann sie in den Köpfen der Marktteilnehmer. Fundamental geändert hatte sich in dieser Zeit kaum etwas. Die Stimmung, die Psychologie, beeinflusst die Wirtschaftsprozesse sehr stark, ähnlich wie die Börsenkurse, ist doch auch die Makroökonomie menschengemacht, was Prognostiker so oft scheitern lässt. Diese Interdependenz ist meist selbstverstärkend. Der Optimismus nährt den Optimismus, er ist ansteckend. Die meisten Marktteilnehmer fühlen sich als Herdentiere am wohlsten, im Strom schwimmend und von den Kollegen betätigt.

indexplus ist seit Anfang Mai wieder in Aktien - eine Entscheidung, die sich als richtig erwiesen hat (aktuelle Anlage-Rendite). Leider spiegeln die realen Wirtschaftsdaten die gefühlte Wende, die von zwei wichtigen Frühindikatoren deutlich bestätigt wird (s. Abb.), noch nicht wider. Einige Zahlen haben sich verbessert, der befürchtete weitere Absturz blieb aus. Dennoch steigt die Arbeitslosigkeit, die Zahlen zu den Auftragseingängen sind sehr tief, und die Schulden durch die zahlreichen Rettungs- und Konjunkturpakete belasten die ohnehin stark angeschlagenen Staatshaushalte schwer. Besonders das US-Haushaltsdefizit bereitet Sorgen. Die Tilgung all dieser Schulden ist ein offenes Problem.

Für Aktien sprechen nach wie vor die tiefen Zinsen. Auch eine mögliche Inflationsgefahr aufgrund der grossen Menge billigen Geldes legt eine Investition in Sachwerte nahe. Aber nach wie vor ist eine gute Absicherung gegen Kursrückschläge dringend notwendig.



indexplus, 3.9.2009

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